Ach Gott Frau Käßmann

Volktrauertag. Auf vielen Veranstaltungen in Deutschland wird den Gefallenen und den Opfern von Krieg und Gewalt gedacht. Im öffentlich-rechtlichen Rotfunk hat in den letzten zwanzig Jahren eine Wandlung stattgefunden. Gefallener ist zu heroisch, daher ist jetzt von toten Soldaten die Rede. Warten wir das Aussterben der Betroffenengenration ab, dann werden es vielleicht tote Mitwisser/-täterInnen.

Nun hat auch Margot Käßmann, aktuell Lutherbotschafterin, ihre Predigt in der Dresdner Frauenkirche dazu genutzt, zu mahnen. Nicht vor Krieg und nicht vor Gewalt im Allgemeinen.

Käßmann vermisst nämlich einen Aufschrei angesichts der Todesopfer rechtsextremer Gewalt und Rassismus in Deutschland. Von rechtsextremistischem Gedankengut in den Köpfen, Ausländerfeindlichkeit oder der menschenverachtenden Mordserie der NSU werde die Menschenwürde nämlich in die Enge gedrängt.

Der von Käßmann vermissten Aufschrei war allerdings deutlich zu vernehmen. Die Aufarbeitung der Verbrechen ist in vollem Gange, der erste Jahrestag der Aufdeckung der Mordserie wurde aufwändig begangen und in Kassel ist ein Platz nach einem Mordopfer umbenannt worden.

Die Menschenwürde in die Enge gedrängt wird auch von den im Wochentakt stattfindenden Übergriffen von jugendlichen Gewalttätern mit MiHiGru, in Berlin und anderswo. Der Aufschrei bleibt hier eher klein und kurz.

Dass Käßmann da zurückhaltend ist, könnte an ihrem Zeitgeist-konformen Weltbild liegen. Sie kämpft selbstverständlich gegen Extremismus, aber nur gegen den rechten.

Dem Islam begegnet sie mit Sympathie, will den Bau von Moscheen. Zugestehen kann man ihr, dass sie gegen islamische Fundamentalisten durchaus auch klare Worte findet. Sie beklagt die Kinderarmut und bezeichnet gleichzeitig die Pille als Geschenk Gottes. Was im Gutmensch-Portfolio aber überhaupt nicht fehlen darf, ist der Einsatz für Asylsuchende.

Selbst die Außenpolitik ist vor ihr nicht gefeit. Zur Lösung des Afghanistan-Konflikt schlägt die 2009 eine Mediation vor. Trotz Einladung vom Verteidigungsminister will sie die Probe aufs Exempel lieber nicht durchführen und reist nicht.

Das letzte Jahrzehnt ist ziemlich turbulent verlaufen für Käßmann. Aber eine wie sie findet für alles die passende Erklärung. Ihre Scheidung: Wahrhaftigkeit vor ihren Schäfchen. Ihren Rücktritt vom Bischofsamt nach einer Autofahrt im Vollsuff begründet sie mit dem Willen zur Geradlinigkeit. Ein schönes Wortspiel in diesem Zusammenhang.
Geschadet hat ihr das alles nicht, im Gegenteil, sie ist zum Medienstar avanciert. Die Gottesfrau scheint zudem 25 Stunden am Tag zu arbeiten. Mit zahlreichen Büchern und CD‘s, die Titel wie Sehnsucht nach Leben oder Meine schönsten Weihnachtsgeschichten aus aller Welt tragen, verdient die Ex-Bischöfin ordentlich dazu.

Auch wenn sie das Gegenteil behauptet, Glaubensinhalte sind für sie nur noch ein Schmiermittel ihrer Karriere.

Wird sie –wenn überhaupt, nur zurückhaltend- kritisiert, dann schlägt Käßmann ihre großen Mandelaugen auf und lässt ihre warmen Worte mit Dauerlächeln einfach weiterplätschern. Das erinnert dann vom Gefühl her an eine Ayurveda-Massage. Oder an einen schmierigen Schlagerstar.

Margot Käßmann ist die personifizierte Kapitulation der evangelischen Kirche vor dem Zeitgeist.