Das Heerlager der Heiligen

Vor genau 40 Jahren hat der französische Schriftsteller Jean Raspail sein Buch Das Heerlager der Heiligen veröffentlicht. Mitten hinein in die Revolution von 1968, die in Frankreich besonders verheerend tobte. Eines von 37 Werken des mittlerweile fast 90-jährigen Schriftstellers.

Sein Roman handelt von der Ankunft von einer Million Flüchtlingen an Frankreichs Südküste und dem erloschenen Selbstbehauptungswillen der Europäer.

An dieses Buch hat sich der Zeitgeist-Guerillero im Rückblick auf die vergangene Woche erinnert. In drei Akten.

I. Akt, Vorhang auf.

Am vergangenen Sonntag hielten die Grünen in Berlin eine Delegiertenkonferenz ab. Diskussionen über die Niederlage bei den Bundestagswahlen, Versuch einer Neuausrichtung, Abrechnungen in Form von Abwahlen. Insgesamt eine deprimierende Angelegenheit.

Aber dann tauchte eine Handvoll Schwarzafrikaner auf der Bühne auf. Auf dem Leib hatten sie ein T-Shirt mit der schlichten Aufschrift LAMPEDUSA in BERLIN. Der momentan hippste Gral grüner Schuldgefühle: Lampedusa. Es war, als wären Heilige direkt bis in die Niederrungen eines Parteitages herabgestiegen, um die anwesenden Grünen mit einer kurzen Rede zu segnen. Ja, zu erlösen. Beinahe alle Grünen krümmten instinktiv etwas ihren Rücken, denn sie wussten: als Einwohner, gerade als Ureinwohner Europas sollte man sich eines geraden Rückens entledigen.

Es war lustig anzusehen, wenn man nicht der Sekte der Grünen angehört. Nach Ankündigung mit Tremolo in der Stimme durfte ein –gut im Futter stehender- Nigerianer namens Bashir Zakari ans Mikrofon. Im feinsten Pidgin-Englisch hat er eine „Rede“ abgeliefert, die sich so zusammenfassen lässt: Brassers änd sisters, we nid your elp, pliiis. We have no jobs, no home, no tschääns. Wi häv to liv on da striits. Elp pliis. Dass der Mann nach mehrjährigem Aufenthalt in Germany kein Wörtchen deutsch spricht, das wunderte keinen der Anwesenden.

Ein Schuldporno hat sich da abgespielt, dem viele vom 68er-Gewissen geplagte Grüne schon bei der Ankündigung nicht mehr standhalten konnten. Tränen flossen. Instinktiv hat der Flüchtling aus Nigeria begriffen, dass er hier für kurze Zeit der Prediger und Heilsbringer über eine Horde total Bekloppter ist. Die aber seinen Zielen nur dienlich sein können.

Das Rührstück gibt es hier zu sehen. Unbedingt ganz anschauen.

II. Zweiter Akt

Am Mittwoch dann haben ebendiese Flüchtlinge in Berlin einen Konflikt mit der Polizei. Dort campieren die Afrikaner seit Monaten. Obwohl ihnen selbstverständlich eine Unterkunft zur Verfügung stünde. Obwohl natürlich auch sie, so wie jeder Asylsuchende, ein Recht auf Leistungen knapp unter Hartz IV hätten. Dabei trugen sie ein T-Shirt, es darf geraten werden welches. Anlass für die Randale war die Identitätsfeststellung einiger Afrikaner, weil noch nicht einmal klar war, wer da alles einen öffentlichen Platz besetzt. Durch die Kontrolle fühlten sie sich selbstverständlich schwerstens kriminalisiert. Als Heilige gelten für sie schließlich keine profanen Gesetze. Viele Linksradikale sahen das naturgemäß ebenso und warfen ein paar Flaschen auf die rassistischen Ordnungskräfte.

III. Akt, Vorhang zu!

Seit Monaten steht der Limburger Bischof (kath.) Tebartz-van-Elst wegen seiner mutmaßlichen Betrügereien am Pranger und zwar zu Recht. In seinen Sitz wird er wohl nicht mehr einziehen. Also was tun mit dem millionenteuren Kleinod in Limburg? Eine ernsthaft diskutierte Option: Lasst uns doch Flüchtlinge unterbringen. Der Geldgestank muss schließlich weg.
Und was könnte man besseres tun, als die Limburger Schande durch ein Heerlager der heiligen Flüchtlinge von Lampedusa reinwaschen zu lassen?

Der Papst in Raspails Roman hieß übrigens Benedikt XVI (sic!). Gute Nacht.