Großeinsatz 2

Der Anschlag – eine Blaupause

Stirbt eine ältere, verdiente Persönlichkeit, rauschen augenblicklich bildgewaltige Nachrufe durch die Medien, da ist der Leichnam noch nicht kalt. Geschwindigkeit ist im Mediengeschäft eben alles, daher wird bei ersten Anzeichen von Alterschwäche bereits ein Nachruf vorbereitet. Die Arbeit ist nicht umsonst, denn das Unvermeidliche wird eintreten.

Genauso unvermeidlich scheint in der Bundesrepublik mittlerweile ein Terroranschlag. Seit Monaten blasen Verantwortliche eine Warnung nach der anderen heraus. Sogar das Dogma, dass unter den ‚Flüchtlingen‘ unter gar keinen Umständen Terroristen ins Land geschleust werden, ist durch die böse Realität genauso über den Haufen geworfen worden, wie die Leichen vom Bataclan.

Der Gedanke dahinter ist Absicherung. Die Botschaft lautet Kontrollverlust. Mit zigtausend Unbekannten aus Konfliktstaaten ist die bloße Gefahr eines Anschlags zur Gewissheit geworden.
Mit dieser Gewissheit kann die Nachricht bereits vorab produziert werden. Glücklicherweise sind die Reaktionen der üblichen Verdächtigen genauso vorhersehbar wie der Anschlag selbst.

Wenn also die Bomben in Berlin, Köln, Hamburg oder München platzen und das Blut in Strömen fließt, dann muss schnell eine Nachricht her.

Eine Blaupause.

Die Nachricht

(X sind mit den dann anfallenden Opferzahlen etc. zu befüllen).

Am XX.XX.2016 kommt es in XXX zu einem islamistischen Anschlag. Dabei sterben XXX Menschen, XXX weitere werden verletzt. Insgesamt haben XX Täter den Anschlag/die Anschläge verübt, davon sind XX als Flüchtlinge eingereist.

Die Reaktionen aus Politik

(Einzelne Posten könnten mit neuen Namen besetzt sein, was an den Stellungnahmen aber nichts ändert.)

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU?) stellt zunächst fest, dass der Islam zu Deutschland gehört, der hier für eine schreckliche Tat missbraucht worden ist. Den Angehörigen der Opfer spricht sie ihr tief empfundenes Mitgefühl aus.
Ihre Politik habe mit den Anschlägen jedoch nichts zu tun, deshalb werde sie die auch nicht ändern, außerdem sind „die europäischen Werte stärker als der Terror“.

Bundespräsident Gauck zeigt sich tief erschüttert. Man müsse darüber nachdenken, wie das Zusammenleben der Menschen in Deutschland besser gestaltet werden kann, um solche schrecklichen Taten in Zukunft zu verhindern. Er lädt zu einer kontroversen Podiumsdiskussion mit Margot Käßmann und Henriette Reker, Sicherheitsexpertin aus Köln.

Vizekanzler Gabriel (SPD) will eine breite öffentliche Debatte über die innere Sicherheit in Deutschland, an der sich aber nur Demokraten beteiligen sollten, nicht aber das Pack. Gleichzeitig betont er dass es eine absolute Sicherheit in einer offenen Gesellschaft nicht geben könne. Respekt und Toleranz seien die richtigen Antworten auf die Tat. Er warnt davor, die Anschläge zu nutzen, um gegen die Willkommenskultur zu hetzen.

GRÜNEN-Chef Hofreiter kritisiert die Sicherheitskräfte scharf. Sie hätten nicht verhindert, dass der Zusammenhalt der Zivilgesellschaft durch solche Anschläge gefährdet würde. Eine Mitverantwortung der Politik weist er als Anmaßung zurück.

LINKEN-Chefin Kipping weist darauf hin, dass die Ursache des Terrors kein religiöser sei, sondern sozialer Ungleichheit geschuldet sei. Im Übrigen seien rechtem Terror zehnmal mehr Migrantinnen und Migranten zum Opfer gefallen. Das interessiere die Gesellschaft aber nicht. Deshalb sei die jetzige Empörung Heuchelei.

Reaktionen der Glaubensgemeinschaften

(sortiert nach politischem Einfluss)

Der Sprecher des Zentralrats der Muslime Aiman A. Mazyek schließt nicht aus, dass es sich um eine False Flag Operation handelt, um Muslime in unserer Gesellschaft gezielt zu diskreditieren. Sollten tatsächlich Muslime die Taten ausgeführt haben, dann seien sie Verwirrte, die allerdings auch durch Ausgrenzung und nicht vorhandener Teilhabe an der Gesellschaft leicht verführbar gewesen seien.

Margot Käßmann  (Feel Good-Beauftragte der EKD) ruft dazu auf, jetzt besonders für die Attentäter zu beten. Gerade jetzt dürften diejenigen nicht vergessen werden, die Schuld auf sich geladen haben. Jetzt einseitig die Opfer zu bedauern, werde der Dimension der Ereignisse nicht gerecht. Sie kündigt an, auf einem interreligiösen Trauergottesdienst den Tätern mit Liebe begegnen zu wollen.

Headlines der wichtigsten Mainstreammedien

SPIEGEL: Aus dem Nichts. Terror in Deutschland.
Wie konnte das passieren?

Stern: Wie konnte das passieren?
Aus dem Nichts. Terror in Deutschland.

ZEIT: Woher kommt der Terror?
Die Antwort auf die zunehmende Ausgrenzung.

BILD: Zwei der Opfer waren Flüchtlinge

taz: Die Antwort auf eine feindselige Gesellschaft
Terror? Ein Begriff führt in die Irre.

Und wenn dann alle um den heißen Brei  herumgeredet haben, dann kommt mit Sicherheit Til Schweiger um die Ecke.

Bild: Instagram