Der Löwe und sein Büttel

Der türkische Volkstribun Recep Tayyip Erdogan hat Deutschland und seiner in Deutschland ansässigen millionenstarken fünften Kolonne anlässlich der Eröffnung einer neuen monumentalen Botschaft eine Audienz gewährt.

Außenminister Dr. Guido Westerwelle hat sich ran geworfen und gefordert, dass den EU-Beitrittsverhandlungen neuer Schwung verliehen wird. Wie gewohnt, ist er damit besonders negativ aufgefallen.

Ein kurzer Abriss seines Wirkens als Minister.

Westerwelle schafft es nach der Wahl 2009 nicht, vom Wahlkampf- in den Regierungsmodus umzuschalten. Statt dessen verrennt er sich in innenpolitische Themen und warnt mit Blick auf die Hartz-Hängematte vor spätrömischer Dekadenz. Dumm nur, dass das späte Rom am Wahn seiner Führungselite gescheitert ist – so wie jetzt der Euro. Die Kanzlerin wird einen Psychologen gebraucht haben, weil sich Guido auch danach immerzu in die Innenpolitik einmischt. Seine Aufgabe als Außenminister ist das gerade nicht.

Dann nimmt er seinen Ehemann als „Geschäftspartner“ mit auf Auslandsreisen – und abends aufs Hotelzimmer.

Es ist alles so peinlich, dass ihn seine eigene FDP als Vorsitzenden nicht weglobt, sondern entfernt.

Das nächste Debakel dann beim Libyen-Konflikt 2011. Deutschland hat gerade turnusgemäß einen Sitz im Sicherheitsrat der UNO inne. Die ganz große Bühne!
Guido verdammt Gaddafi, preist die Aufständischen und natürlich die Menschenrechte. Er spricht sich geradezu heldenhaft für ein Engreifen des Westens aus. Bei der Abstimmung im UNO-Sicherheitsrat enthält er sich dann für die BRD der Stimme und lehnt obendrein eine Beteiligung dt. Truppen kategorisch ab. Nach Gaddafis Tod lobt er den wichtigen dt. Beitrag zur Befreiung Libyens. Dabei hätten die Alliierten eine Beteiligung an vorderster Front der militärisch kaum noch einsatzwertigen Bundeswehr ohnehin eher als Gefahr gesehen.

Aber: Eingespielte multinationale Team aus AWACS-Flugzeugen wurden auseinander gerissen, weil dt. Radarsoldaten raus mussten. Dem Ansehen der Republik hat das nachhaltigen Schaden zugefügt.

Irgendwann zu dieser Zeit muss es Westerwelle gedämmert haben, dass er mit seinem Job völlig überfordert ist und sein Arbeitsplatz spätestens 2013 an jemand anderen vergeben wird. Seitdem läuft er durch die Gegend wie ein Duracell-Männchen und warnt mit aufgesetztem staatsmännischem Gestus immer und überall vor einem Flächenbrand. Außerdem zeigt er sich praktisch an jedem Ort der Welt irgendwie solidarisch.
Zu spät, an Westerwelle wird man sich erinnern wie an Comic-Ali, Saddam Husseins Informationsminister. Der hat noch vom Sieg gesprochen, da sind amerikanische Panzer schon im Hintergrund vorbeigerollt.

Kein Zweifel, die Türkei ist durch starke und kluge Führung unter Premier Erdogan zu einer wirtschaftlich und militärisch starken Regionalmacht heran gewachsen. Ein Geheimnis seines Erfolgs beim Volk ist die Rückbesinnung auf den Islam.

Die Türkei ist seit Jahrzehnten NATO-Mitglied, auch in heißen Phasen des kalten Krieges ist die Türkei fest an der Seite des Westens gestanden. Daraus sind historisch Verpflichtungen entstanden, die Türkei pocht zu Recht auf deren Einhaltung. Eine enge Kooperation ist daher von beiderseitigem Interesse.

Eine EU-Vollmitgliedschaft wäre dagegen extrem unklug.

Welche Probleme würde sich die EU hier ins Haus holen? Den nie endende Kurdenkonflikt, der noch lange nicht beendete Syrienkonflikt, einen instabilen Irak, ein kommendes Kriegsgebiet im Iran.

Die Führungen der europäischen Länder können doch zudem nicht im ernst glauben, dass sich der aufstrebende und geburtenstarke 80-Millionen Staat Türkei integrieren lässt. Noch weniger können sie glauben, dass sich die Türkei integrieren will.

Im christlich-europäischen Kulturkreis funktioniert schon eine gemeinsame Währung nicht. Wie wahnsinnig ist es da, noch einem islamischen Staat die Tür zu öffnen, der kulturell nicht kompatibel zum christlich geprägten Europa ist?

Es verwundert aber nicht, dass Westerwelle nicht überreißt, was er eigentlich sagt. Er ist der schlechteste Außenamtschef, den die Republik je hatte. Premier Erdogan wird über diese jämmerliche Figur herzlich und ausdauernd gelacht haben.

Man muss sich fremdschämen.