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Der Spalter – Gauck wieder auf Linie

Von Bundespräsident Gauck war in den letzten Monaten wenig zu hören. Im Oktober machte er kurz von sich reden, als er eine Obergrenze für Flüchtlinge nicht als per se unethisch bezeichnete und damit gaaanz vorsichtig der Bundeskanzlerin widersprach. Dieses minimale Abrücken vom Merkel-Dogma hat die Alpen-Prawda sogleich kritisch gewürdigt.

Am Donnerstag hatte er zu einem Symposium in sein Schloss geladen – und zeigt sich wieder ganz auf Linie. (Seine Eröffnungsrede ist hier nachzulesen oder hier anzusehen).

Auszüge:
Menschen, die vor kriegerischen Konflikten und Verfolgung fliehen oder die einfach wegen der wirtschaftlichen Not, die sie zu Hause erleiden, herkommen, sie werden unsere Nachbarn, manche vorübergehend und andere auf Dauer.
Diese locker-lässige Aussage sagt uns, dass es für den Bundespräsidenten völlig okay ist, wenn Menschen Asyl beantragen, weil sie einfach ein besseres Leben suchen.

Allen Neuankömmlingen, die bei uns bleiben wollen und dürfen, möchte ich zurufen: Dieses Land gibt Ihnen die Möglichkeiten, eine eigenständige Existenz aufzubauen.
Nach Lage der Dinge wird das bei sehr vielen eine Hartz IV-Existenz sein, wobei wir auch schon bei den Ängsten sind, die Gauck gnädigerweise zulassen will.

Wir müssen uns Konflikten, kulturellen ebenso wie sozialen, stellen und sie dann friedlich austragen, ohne dabei ganze Gruppen zu stigmatisieren. Konflikte, meine Damen und Herren, sind kein Zeichen für gescheiterte Integration, ganz im Gegenteil! Gesellschaften erneuern sich ja auch im konstruktiven Streit, und sie sind umso friedlicher, je offener über Probleme gesprochen wird. Wir dürfen dieses Feld gerade nicht den Populisten und Rassisten überlassen.

Heißt, über Probleme dürfen schon mal nicht die Falschen reden. Die anderen nur, wenn Kritik leise vorgetragen wird und vor allem nur dann, wenn sich die Verängstigten dann von einer abwehrbereiten und kämpferischen Bürgergesellschaft diese Ängste sogleich nehmen und in pure Freude und Optimismus wandeln lassen. Sonst ist man ruckizucki ebenfalls Populist und Rassist und für solche hält die kämperische Bürgergesellschaft Stöcke und Steine parat.
Wer als solche anzusehen sind, teilt er in einer der anschließenden Diskussionsrunden mit, die mit Sicherheit nicht kontrovers waren (mit dabei war Henriette Eine-Arm-Länge Reker!).

Es seien diejenigen, die Lügenpresse riefen, die seien dumm und hätten obendrein noch Freude an ihrer Dummheit. 50 Jahre habe er als Person erlebt, was Lügenpresse sei.
Mmmh, mal kurz nachgerechnet. 1940 geboren, hat vermutlich auch ein Joachim Gauck in seinen ersten 5 Lebensjahren noch keinen Stürmer gelesen, auch wenn beide Eltern NSDAP-Mitglieder waren. Die DDR hat von 1949 bis `89 existiert. Rechnet man die 4 Jahre sowjetisches Interregnum dazu, sind es dennoch keine 50 Jahre. Aber darauf hinzuweisen, ist vermutlich dumm.

Gauck gelingt es auf dem Symposium spielerisch , die gewaltige Distanz, die ihn und seinesgleichen von den Regierten trennt, in einem schmalen Satz auszudrücken. „Ich kann den ungeheuren Verdruss gegenüber der politischen Klasse nicht verstehen“.

Ground control to Major Tom