Der Untertan

Drei Traditionslinien

Griechenland wird aus der Euro-Zone ausscheiden. Endlich, zum Wohle aller Beteiligten. Es gibt gar keinen Zweifel, dass dieses Trauerspiel nur durch die immer wiederkehrenden deutschen Milliarden-Zusagen ein halbes Jahrzehnt lange andauern konnte.
Ein Jeder mit einem Rest an gesundem Menschenverstand wusste, dass Griechenland seine Art zu wirtschaften nie ändern würde (und das ist sein gutes Recht!). Aber Deutschland gab dennoch weitere Milliarden.
Von seinem Hegemon USA wird es hemmungslos ausspioniert und lässt sich dennoch bedingungslos in die Ukraine-Front gegen Russland einspannen, anstatt seine natürliche Vermittlerrolle wahrzunehmen.

Das kennzeichnet den Ist-Zustand des Landes: Wirtschaftlich eine Großmacht, verweigert sich das Land seiner Verantwortung als geographische und politische Mittelmacht.

Zu anderen Zeiten dagegen hat es aus seiner Ohnmacht einen wahnhaften Nationalismus entwickelt und das bis zum bitteren Ende durchgezogen.

Dieses Oszillieren zwischen den Extremen macht unsere Nachbarn zu Recht misstrauisch. Am besten hat es Literaturnobelpreisträger Winston Churchill auf den Punkt gebracht: „Man hat die Deutschen entweder an der Kehle oder zu Füßen.“ Deutsche Traditionslinie.

Nach Innen ist dieser Geisteszustand gepaart mit einer Obrigkeitshörigkeit, die Hermann Mann in seinem Untertan gezeichnet hat, wenn auch sehr grell. Nur durch diese Mentalität war es möglich, dass dieses Land im 20. Jahrhundert gleich von zwei Diktaturen heimgesucht werden konnte.

Aber nicht mehr heutzutage, die Zeiten liegen doch hinter uns!
Doch, auch heute hat das Land wieder seine Untertanen. Heute unterwerfen sich die Funktionsträger des Landes den ungeschriebenen Richtlinien der Politischen Korrektheit und beugen damit Grundrechte, die jahrzehntelang Garanten für Frieden und Freiheit waren.

Es ist allen klar, dass sich das Leid der Welt nicht mal in Nuancen lindern lässt, selbst wenn das Land Millionen Wirtschaftsflüchtlinge aufnimmt, im Gegenteil. Aber führende Politiker fordern die großherzige Öffnung aller Türen. Islamisten verüben praktisch täglich grausame Attentate, so erst gestern wieder in Frankreich. Der Islam gehört zu Deutschland tönt es aus dem Mund von Präsident und Kanzlerin, anstatt zu betonen, dass die Bundesrepublik ein säkularer Staat ist. In manchen Großstädten verüben arabische Groß-Clans Straftaten in Serie, die Politik hüllt den Mantel des Schweigens darüber. Die Einbruchszahlen gehen durch die Decke, aber die totale Freizügigkeit ist unantastbar. Gender Mainstreaming ist die einzige „Wissenschaft“ ohne empirische Grundlage, aber Deutschland leistet sich dafür 250 Lehrstühle.

Wie Sägespäne, die sich langsam an einem stärker werdenden Magnetfeld ausrichten, handeln subalterne Entscheidungsträger in vorauseilendem Gehorsam. Die Niederträchtigen unter ihnen erliegen dem Kitzel der moralischen Selbsterhöhung. Die Feigen haben Furcht vor den Niederträchtigen. Beide spielen sich zum Richter auf. Nur so war es möglich, dass Soldaten, die in den letzten Tagen des II. Weltkrieges einen absolut aussichtslosen Kampf aufgaben, von anderen aufgeknüpft wurden. Nur so konnte das Spitzelsystem der DDR 40 Jahre lang tadellos funktionieren. Deutsche Traditionslinie.

Aber es ist auch immer wieder ein Ethos zu finden, der sich widersetzt und der sich nicht so einfach brechen lässt, weil er aus alten Zeiten herrührt. Beispiele sind Luther im Römischen Prozess um 1518 („ich stehe hier, ich kann nicht anders“), die Konvention von Tauroggen durch Generalleutnant von Yorck 1813, die Paulskirchenverfassung 1849, die Männer des 20. Juli 1944, der Arbeiteraufstand in Ostberlin 1953 und schließlich die Montagsdemonstrationen 1989 in der DDR.

Auch das hat Tradition. Und die gibt Hoffnung.