Im Großelternmodus

“Wir haben Schlüsselkapazitäten und Fähigkeiten, die andere Nationen so nicht haben”, so die auf permanente Medienpräsenz achtende Verteidigungsministerin von der Leyen. Explizit nannte sie Lufttransportkapazitäten, die man der UNO zur Verfügung stellen könne.

Heute berichtet Augengeradeaus.net, dass die UNO die zur Verfügung gestellten Lufttransportkapazitäten nicht mehr haben will, weil sie wegen technischen Beschränkungen und restriktiver Einsatzvorgaben aus Berlin kaum noch praktischen Nutzen haben. Normalerweise nimmt die UNO alles, was sie kriegen kann, auch Soldaten und Material aus der Dritten Welt.
Die Zurückweisung der knapp 50 Jahre alten Transall geht über die Kategorie Peinlichkeit weit hinaus. Das ist eine Bankrotterklärung für die Bundeswehr und die sie seit Jahrzehnten umherschubsenden Politiker.

Der Vorgang sagt gleichzeitig vieles aus über den Zustand der Republik, es ist Sinnbild eines alternden Deutschlands. Kraft, Ehrgeiz, Mut, Risikobereitschaft, diese Eigenschaften gehen in einer vergreisenden Gesellschaft verloren, stattdessen gewinnt das Verlangen nach absoluter Sicherheit immer und überall die Oberhand. Unvermögen allerorten: Ob der Flughafen in Berlin, Stuttgart 21, die Energiewende, die Autobahnmaut. Nichts klappt mehr auf Anhieb, aber es wird weiterhin dick aufgesprochen.

Wie bei etwas wunderlich gewordenen Großeltern, die ihre Selbstgewissheit aus dem Geleisteten der Vergangenheit gewinnen und noch glauben, sie hätten alles im Griff. Die aber das mitleidige Lächeln der anderen nicht mehr wahrnehmen, die ihnen längst die Entscheidungen aus der Hand genommen haben. Nichts mehr da, außer Hybris.

Symptome des Verfalls.