Lehrstück der Niedertracht

5 Jahre, 9 Monate. So kurz wird Cihan Arslan in die JVA einfahren, für den Mord an Daniel Siefert. Halt! Cihan hat vielfältige Möglichkeiten, die Strafe zu verkürzen. Ganz solange wir er also nicht warten müssen, bis er wieder mit seinen Kumpels prügelnd um die Häuser ziehen darf.

Ein Rückblick auf einen feigen Mord und eine kaum fassbare Aufarbeitung durch die Mainstream-Medien.
Im März 2013 fährt eine Gruppe Deutscher zusammen mit einer Gruppe Türken im Bus zu einer Disco. Schon im Bus kommt es zum Konflikt und massiven Drohungen. Cihan A. verkündet, dass „einer die Nacht nicht überleben wird“. Viel klarer kann man einen Mord nicht ankündigen. Dabei belässt es Cihan nicht. Er ruft noch im Bus Freunde an und fordert sie auf, bewaffnet am Busbahnhof zu erscheinen. Die Deutschen sitzen in der Falle. Als Daniel S. den Bus verlässt  tritt ihm Cihan mit voller Wucht ins Kreuz. Danach tritt er nochmal zu.
Eindeutiger kann ein Hassdelikt eigentlich nicht ausgeführt werden. Ethnischer Hass. Auf Deutsche.

Die Medien versuchen zunächst, das Thema in den Regionalspalten zu beerdigen. In Zeiten von Facebook kein leichtes Unterfangen und so wird die Causa publik.

Empörte Bürger wollen daraufhin eine Demonstration in der Heimatstadt von Daniel S. abhalten, dies wird durch den SPD-Bürgermeister Lemmermann verboten, vermutet er doch hinter der Demonstration rechte Gesinnung. Statt dessen hält er eine eigene Veranstaltung ab, eine Mahnwache, in der sich Herr Lemmermann nicht entblödet, zum Kampf gegen Rechts aufzurufen.

Der Kämpfer für ein buntes Weyhe bestreitet von Anfang an, dass es irgendeinen Zusammenhang zwischen Tat und Nationalität der Täter geben könnte. Die Täter hätten ja auch Deutsche gewesen sein können. Ob Herr Lemmermann dann auch jeden Zusammenhang bestritten hätte?

Er erhält darauf viele Zuschriften, die ihn scharf kritisieren. Da zeigt er besonders mutige Courage und überzieht die Absender mit Anzeigen. Für diese Art des Engagements darf Lemmermann ein artiges Interview geben – bei SPIEGEL-Online.

Den Schlusspunkt unter dieses Trauerspiels setzt nun ein gewisser Hendrik Ternieden von SPIEGEL Online mit seinem Bericht über den Prozess gegen Cihan Arslan.  Ternieden, Jahrgang `83, war vor dem ersten festen Job mit Ende Zwanzig u.a. Praktikant bei der TAZ. Ein Zeitgeist-Kind.

Der Richter spricht im Urteil von „furchtbarer Tragik“ – nachdem er Cihan vom Mordvorwurf entlastet hat und sogar eine Tötungsabsicht ausschließt. Und Autor Ternieden gefällt diese verharmlosende Wortwahl so gut, dass er sie in die Überschrift packt.

Gleich zu Beginn trieft der Bericht vor Verständnis und Mitleid für den Täter. Reifeverzögert sei Cihan, wichtig findet Schreiberling Ternieden auch, dass bei der Verkündung des Urteils bei ihm gar die Tränen fließen.
Am Ende des Berichts darf der SPIEGEL-Leser dann noch erfahren, dass Cihan eine ganz schwere Jugend hatte. So schwer, dass er bereits 2008 -da war Cihan immerhin schon 15 – ein Kind mit einem Messer verletzt hat. Was heißt hat?Musste! Angesichts eines so einmalig schweren Schicksals konnte Cihan wahrscheinlich gar nicht anders. Hätte Ternieden mehr Platz gehabt, hätte er die Schuld dafür wahrscheinlich der garstigen Mehrheitsgesellschaft zugeschrieben.

Die empörte Reaktion der Mutter des Ermordeten auf das Urteil ist dem Autor gerade vier Zeilen wert. Mitleid hier – Fehlanzeige.

Aber Ternieden packt noch einen drauf. Nicht auszuschließen sei nämlich, dass im Bus rassistische Sprüche gefallen seien! Sagt der Richter und Ternieden beruhigt das ohne Zweifel. Jawoll, da haben wir es mal wieder!
Als ob es eine Gruppe Deutscher tatsächlich wagen würde, einer Horde Türken, die offensichtlich Streit sucht, mit rassistischen Sprüchen noch weiter anzustacheln. Nicht lange vorher war Jonny K. auf dem Berliner Alexanderplatz totgestiefelt worden, dass wussten auch die Deutschen im Bus.

Der „nicht auszuschließende Rassismus“ ist der entlarvenste Teil des boshaften Pamphlets. Mit der unterschwelligen Unterstellung des Rassismus weist er der Opfergruppe eine Mitschuld zu, während er die Tätergruppe entlastet, ja rechtfertigt.

Diese bedrückende Niedertracht speist sich aus zwei Quellen, Feigheit und Trotz.

Feigheit, weil Ternieden wohl weiß, welche Tendenz im Bericht von ihm erwartet wird. Und er diesen folgsam abliefert, obwohl ihm als sicher klugen Menschen die Widersprüche im Urteil von Richter Grebe nicht entgangen sein können. Aber so ein zeitlich befrister Vertrag will schließlich verlängert werden, nicht wahr Herr Ternieden?

Trotz, weil die lange eingeübte Political Correctness immer öfter mit der Wirklichkeit zusammenprallt und diese Wirklichkeit mit den Utopien der Meinungsblockwarte so gar nicht zusammenpasst. Das kann sich insbesondere SPIEGEL-Online nicht gefallen lassen.

Dass das ehemalige Sturmgeschütz der Demokratie für diesen Bericht obendrein mal wieder seine Forumsfunktion abgeschaltet hat, zeigt das schlechte Gewissen der Schmierenfinken aus Hamburg. Wie gut, dass die Auflage des SPIEGEL stetig zurückgeht.