Pygmäen in Generalsuniform

Heute gedachten die Sieger des 2. Weltkrieges das 70. Mal der Landung in der Normandie. Die Landung war eine gewaltige militärische Leistung, die zehntausende Soldaten beider Seiten das Leben kostete.

Für Deutschland bedeutete die Landeoperation die Verkürzung der Herrschaft des NS-Regimes, für Westeuropa die Freiheit, denn spätestens 1946 wären sowjetische Panzer in den Sand des Westatlantik gerollt.

Vor 10 Jahren war erstmals ein deutscher Staatsgast geladen, Kanzler Schröder. Er vermied damals einen Besuch auf einem der zahlreichen deutschen Soldatenfriedhöfe, vor zehn Jahren hat das noch für Kritik gesorgt. Besucht hat er -immerhin- einen Friedhof, auf dem auch deutsche Gefallene begraben sind.
Dabei waren die meisten deutschen Soldaten natürlich auch Opfer, die wenigsten dürften noch fanatische Nationalsozialisten gewesen sein. Auch viele SS-Männer, die zu diesem Zeitpunkt schon mehrheitlich zwangsrekrutierte Jugendliche waren, haben keinerlei „fanatischen“ Kampfgeist“ mehr gezeigt. Ganz im Gegenteil, viele deutsche Soldaten haben sich in amerikanische Gefangenschaft gerettet. Es ist ausgerechnet der französische Präsident, der das zum Ausdruck bringt: „Ich möchte den Mut der Deutschen würdigen, die auch Opfer des Nazismus waren und in einen Krieg hineingezogen wurden, der nicht der ihre war und der nicht der ihre hätte sein sollen.“

Wie „passend“, dass einer der obersten Soldaten der Bundeswehr, Generalleutnant Kasdorf gestern in einem Erlass den Gebrauch des Spruches Treue um Treue verboten hat. Diesen Spruch hatten Bundeswehrsoldaten am Panzerwrack dreier gefallener Kameraden in Afghanistan angebracht. Aber: Diese Spruch haben auch schon Fallschirmjäger der Wehrmacht gebraucht, wohlgemerkt nicht die SS.

Zwar ist die Bundeswehr von ehem. Wehrmachtsangehörigen aufgebaut worden, von wem denn auch sonst. Zwar begründet sich bei den zahlreichen Auslandseinsätzen der Respekt vor deutschen Soldaten noch immer auf die soldatischen Tugenden und Leistungen der Wehrmacht.
Nur muss laut Traditionserlass (jawohl, beim Bund kann auch Tradition befohlen werden!) in der Bundeswehr jegliche Spur zur Vorläuferarmee getilgt werden, oder sollte man besser sagen: gesäubert?

Es bleibt ein Rätsel, weshalb die Bundeswehr als Erkennungszeichen immer noch das stilisierte Eiserne Kreuz trägt. Schließlich hat auch die Wehrmacht unter diesem althergebrachten Tapferkeitszeichen gedient.

Was Kasdorf hier anrichtet, ist aber besonders niederträchtig. Er nimmt mit dem Verbot des Mottos Treue um Treue den tapferen Soldaten des Jahres 2012 ihr Gedenken und noch schlimmer: Er bringt ihr Opfer in Verbindung mit Ereignissen, die 70 Jahre zurückliegen. Und das ohne jede Not, ohne jeden politischen Druck.

Bei genauerer Betrachtung sollte auch die Benutzung des Eisernen Kreuzes durch die Bundeswehr schleunigst unterbunden werden, um eine nachträgliche Beschmutzung durch Geistes-Pygmäen mit Arabeske wie Herrn Kasdorf zu verhindern.

Eines schafft Generalleutnant Kasdorf ganz unfreiwillig aber doch. Er bestätigt ein Kontinuum von der Wehrmacht bis zur Bundeswehr unserer Tage: Die Feigheit ihrer Generäle.