Rule, Britannia!

Die regierenden britischen Konservativen haben gestern zusammen mit der Arbeitspartei gegen ihren eigenen Chef Cameron gestimmt. Der wollte sich den Segen zu mehr Geld Großbritanniens für den EU-Moloch geben lassen. Damit steht der 150 Milliarden-Haushalt auf der Kippe.

Großbritannien leidet schwer unter der seit 2008 schwelenden Finanzkrise. Die Insulaner haben zudem in zwei Jahrzehnten davor einen wesentlichen Teil ihres Wirtschaftswachstums aus dem Finanzsektor erzielt. Diese Misere ist eine Spätfolge der De-Industrialisierung unter Margaret Thatcher.

Gleichzeitig scheinen hier große Linien der Geschichte durch. Großbritannien war Zeit seiner neueren Geschichte darauf bedacht, ein Gleichgewicht auf dem Kontinent zu schaffen und zu erhalten. Und das hieß im Klartext: Wenn Frankreich und Deutschland in Konflikt stehen, dann warten sie ab, wer die Überhand gewinnt. Schließlich greifen sie auf der Seite des Unterlegenen ein, denn keine Nation durfte zu stark werden. Also ging’s im ersten Weltenbrand 1815 zusammen mit den Preußen gegen Napoleon, 1914 an der Seite Frankreichs gegen das Deutsche Reich, 1939  mit dem Rest der Welt gegen Hitler. Ist die Balance wieder hergestellt, ziehen sich die Briten wieder auf ihre geliebte, raue Insel zurück.

Nun also die Auflehnung gegen mehr Geld für die EU. Das ist insofern logisch, weil sich Frankreich und Deutschland gegenseitig marginalisieren und die Franzosen dabei ihren Stolz und die Deutschen ihren Wohlstand verzocken. Warum sollte Großbritannien bei diesem Spiel noch dabei sein? Folgerichtig ist der Rückzug.

Andere Faktoren lassen zudem hoffen, dass sich die europäischen Völker auf die Briten verlassen können.Großbritannien ist die älteste Demokratie der Welt. Es besteht ein sehr fein entwickeltes Gespür, wo Demokratie aufhört und Diktatur beginnt.

Ein Parlament, das sich seit über 300 Jahren einen King bzw. Queen als nettes Beiwerk hält, wird vor der Brüsseler Diktatur nicht in die Knie gehen.