Steinmeier

Steinmeiers erschreckendes Bewerbungsschreiben

Die Parteichefs kungeln aktuell aus, wer das Land zukünftig überparteilich repräsentieren soll. Allein das ist schon ein Witz. Verschiedene Namen sind im Gespräch, allesamt Vertreter der abgehalfterten, inzestuösen Politelite, die sich selbst die Posten zuschanzt. Einer von ihnen ist Frank-Walter Steinmeier, seines Zeichens Bundesaußenminister.

Nun muss man zunächst festhalten, dass er seinen Job zumindest unauffällig macht, anders als die verblichene Peinlichkeit Guido Westerwelle, sein Nachfolger und Vorgänger. Aus der Innenpolitik hält er sich wohltuend heraus, verglichen mit dem feisten SPD-Chef Gabriel ist er noch einer der glaubwürdigeren Sozialdemokraten. Dennoch, die katastrophale Flüchtlingspolitik, das hündische Auftreten ggü. der Türkei trägt auch er mit, ebenso die widersinnige Russlandpolitik.

Als Kandidat für Schloss Bellevue ist er schon länger im Gespräch.

Als Bundespräsidentenkandidat will man jedoch gebeten werden, man gibt allenfalls zu verstehen, dass man nicht ablehnen würde, wenn einem die Kandidatur angedient wird. Ungewöhnlich, dass sich ein Kandidat selbst platziert. Steinmeier drängt es aber offenbar so sehr ins Amt, dass er mit einer Art Bewerbungsschreiben genau das getan hat.

Dieses könnte hier gelesen werden, würde die F.A.Z. nicht an der „Wortmeldung“ des Herrn Steinmeier verdienen wollen. Um sicherzugehen, dass möglichst viele seine Bewerbung lesen, hat er den Text sicherheitshalber nochmal bei Facebook posten lassen, hier einzusehen.

Was er von sich gibt, erschreckt

Zunächst klotzt Steinmeier mit der Überschrift, in der er eine tödliche Gefahr für unsere Gesellschaft diagnostiziert. Spannend ist, wo er die erblickt. Etwa in der Terrorgefahr, der mit den Flüchtlingen nicht mehr nur latent ist (wie steht eigentlich FWS zur Flüchtlingsproblematik)? Oder von der demographischen Katastrophe, die mit der Asylkatastrophe in direktem Zusammenhang steht?

Nein, nichts von alledem. Steinmeier sieht die Gefahr im Fehlen von Wahrheit. Und den Schlüssel zur Wahrheit, soviel sei vorweggenommen, den hat natürlich in aller Bescheidenheit er und seine Medienclaqueure.
Die Unwahrheit findet sich dagegen in den sozialen Medien und überall dort, wo Menschen sich die Freiheit eigener, unabhängiger Meinungsbildung herausnehmen.

Dass mit dem Internet die Möglichkeit des Austausch und freier Meinungsbildung (immer noch) besteht, scheint Steinmeier zu beleidigen.

Das Internet verschafft uns Zugang zu einer nie gekannten Fülle von Informationen aus den unterschiedlichsten Quellen. Aber die Flut an Informationen dürfen wir nicht mit Wissen verwechseln, schon gar nicht mit Weisheit.

Dabei gibt Steinmeier weiter oben in der Wortmeldung zu, dass es ihm und seinem diplomatisches Korps ab und an Weisheit fehlt, was aber nicht an fehlender Genialität liegt, sondern – an der Komplexität der Welt.

Dass die Komplexität unserer Umwelt enorm gewachsen ist, erlebt auch die Außenpolitik. Unsere Fähigkeiten, diese Komplexität zu durchdringen und nicht nur kurzfristig zu reagieren, sondern vorausschauend klug zu planen, stoßen an Grenzen.

Es erstaunt freilich, dass viele andere Länder der Welt durchaus vorausschauend klug planen. Möglicherweise haben andere Länder ein außenpolitisches Konzept und knicken nicht wachsweich vor jeder noch so dreisten Anmaßung ein, Herr Steinmeier.

Steinmeier scheut nicht mal davor zurück, den Aluhut aufzusetzen, wenn ernsthaft von ausländischen Trollen spricht, die für gezielte Desinformationen sorgen würden.

Die Menschen -mit der Realität der bunten, offenen und vielfältigen Gesellschaft. immer öfter und immer unausweichlicher konfrontiert- machen sich ihr eigenes Bild, dass so gar nicht mit den gewünschten Realitäten zusammenpasst. Also empfiehlt Steinmeier folgendes:

Wir müssen in unsere Urteilskraft investieren, in jene Institutionen und Systeme, die in unseren Gesellschaften „Wahrheit produzieren“: Schulen, Wissenschaft, Justiz, aber auch die Medien.

Ergo sein Appell:

Glaubt nicht, was ihr seht; glaubt nicht eurer eigenen Wahrnehmung; glaubt nicht eurem gesunden Menschenverstand.
Glaubt mir! Glaubt den wahrhaftigen Medien! Glaubt, was die Institutionen euch als Wahrheit verkaufen! Denn es ist die Wahrheit!

Ihr müsst, verdammt noch mal!

Bild: Flickr.com/Arne List/CC BY-SA 2.0