Dabei gewesen in Dresden

Die Neujahrsansprachen von Präsident und Kanzlerin haben rundum überzeugt. Also frischen Mutes die 350 km ab nach Dresden.Denen Folgen, Frau Merkel.

PEGIDA1Ab 18.00 Uhr treffen die ersten PEGIDA-Spaziergänger auf einer Wiese vor der Stadt ein. Deutschlandflaggen werden geschwenkt. Unwillkürlich schaut man hin, die Zensur im Kopf fragt: Darf man das? Der Verstand sagt: Ja sicher darf man das! Mit demselben Stolz, den andere Völker ganz selbstverständlich empfinden, wenn sie ihre Fahne wehen sehen.

PEGIDA2Ansonsten eher anrührende Plakate, die auf die neuesten medialen Beleidigungen reagieren, Fahnen anderer Bundesländer, das schon bekannte Kreuz mit der Lichterkette. Der Weltfrieden wird gefordert, ein Verschwörungstheoretiker verteilt Handzettel mit angeblichen Beweisen für den Abschuss von MH-17 durch die USA. Was auffällt: Die Plakate sind ganz überwiegend handwerklich gut gemacht. Das passt zu den Teilnehmern. Arbeiter, Angestellte, die sich durch ihre Hände Arbeit einen bescheidenen Wohlstand erarbeitet haben. Vorwiegend arbeitender Mittelstand, kein klassisches Bildungsbürgertum. Die PEGIDA-Teilnehmer sind eigentlich  SPD-Klientel.

Rechtsextreme Teilnehmer? Ja! Ein einzelner Skinhead im Springerstiefel-Outfit ist zu besichtigen.

Eingeleitet wird der Spaziergang durch drei Redner. Die neuesten Diffamierungen und Beleidigungen werden aufgezählt und genau diese Ablehnung ist der Kitt, der PEGIDA aktuell noch wachsen lässt. Eine Vision wird nicht vermittelt. Die Redner wirken leicht überfordert, finden ab und an nicht die richtigen Worte, ihre Empörung auszudrücken. Zwar ist es gelungen, mit Udo Ulfkotte einen einigermaßen bekannten Redner zu gewinnen, aber auch der entwickelt kein Gefühl für’s Publikum, redet ohne Punkt und Komma und legt keine Pausen für Zustimmungsbekundungen des Publikums ein. In der Gesamtschau war die Einstimmung eher ein Klagelied. Es mutet seltsam an, dass es eine solch semiprofessionelle Truppe schafft, über Wochen ganz oben in den Nachrichtenspalten aufzutauchen und geradezu hasserfüllte Reaktionen bei Politik/Medien hervorzurufen. Die Angst muss groß sein. Und so klingen die Diffamierungen und Angriffe gegen PEGIDA nur noch wie ein einziges Leugnen des eigenen Totalversagens.

Dann der Start zum Spaziergang. Genehmigt war ein Rundgang um das Dresdner Fußballstadion. Berührungspunkte mit der Bevölkerung gab’s auf diesem Weg praktisch keine. Nach kurzer Abschlussrede geht der PEGIDA-Spaziergang um 20 Uhr zu Ende.

Die Gegendemo

Zeit genug bei der Gegen-Demo vorbeizuschauen und die ist von anderem Kaliber.

PEGIDA3Eingebettet ist die Gegen-PEGIDA-Demonstration in breites Spektrum staatlicher Maßnahmen.
Auf Webseiten der Stadt sind Bilder mit dem klassisch linksradikalen Refugees-are-Welcome Spruch angebracht. Die staatlichen Einrichtungen sind großflächig mit Werbung für ein weltoffenes Dresden ausstaffiert, als ob PEGIDA dagegen protestieren würde.

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50qm Plakat a staatl. Schauspielhaus

In den Straßenbahnen läuft ein Filmclip, der an Schlichtheit kaum zu übertreffen ist. Ein älterer Deutscher beobachtet einen Dunkelhäutigen beim öffentlichen Schachspiel und freut sich mit alberner Gestik, als dieser das Spiel verliert. Aber da passierts! Dem Opa wird die Kamera geraubt. Der Mensch mit MiHiGru stellt schnellen Schrittes den Täter. Anschließend wird noch ein gemeinsames Bild geschossen und der Rassismus ist beerdigt. Produziert haben‘s Studenten der Technischen Universität Dresden.

Zurück zur Gegendemo. Nach prominent platzierter Auftaktveranstaltung auf dem zentralen Platz in der Innenstadt ist ein Weg mitten durch die Stadt genehmigt. Die Teilnehmer eine Mischung aus langhaarigen Berufsdemonstranten und Studenten, viele erfüllen gar beide Kriterien in einer Person. Die wenigsten werden ihr Auskommen je mit eigener Hände Arbeit erwirtschaftet haben. Offen linksextremes Publikum war jedoch nicht zu entdecken.

Und genau da verläuft die Front

Auf der einen Seite der gebeutelte Mittelstand, kaum in der Lage, seinen Protest angemessen zu organisieren.
Auf der anderen Seite ein bestens organisierter Mob, der -ausgestattet mit atemberaubenden Überlegenheitsgefühl und voller staatlicher Rückendeckung- diesen im Vergleich ziemlich hilflosen Haufen zusammenkartätscht. Die in Form von Steuern von diesem Mittelstand abgepressten Mittel betrachten sie als Verfügungsmasse, um ihre Utopie einer Gesellschaft zu verwirklichen, in der auch der noch der faschistoideste Islamist herzlich willkommen ist- nicht aber das als Feind betrachtete eigene Volk.

Mitten ins Schreiben hinein platzt die Nachricht vom islamistischen Anschlag auf eine Redaktion in Frankreich. Mit einem Dutzend Hingerichteten. Sicher werden sich so genannte Volksvertreter finden, die bei PEGIDA in Deutschland eine Teilschuld finden. Mindestens.

Diese Sachsen!

Über die Sachsen weiß jeder Nicht-Sachse zu berichten. Meist nichts besonders schmeichelhaftes, meist verbunden mit genervtem Augenrollen. Es ist für einen Sachsen halt auch schwer, in der Masse unterzutauchen. Sein eigentümliches Idiom verrät ihn sofort. Ein eigenwilliges Völkchen, diese Sachsen.

Gut, dass es sie gibt!

Dass Luther die Hetze Roms überlebt hat, verdanken wir den Sachsen. In der Völkerschlacht 1813 haben die Sachsen zwar als letzte deutscher Stamm die Kanonen gegen Napoleon gewendet – während der Schlacht. Aber das hat die entscheidende Wende gebracht.
Schließlich haben wir den Sachsen die größte Sternstunde unter vielen dunklen Stunden des vergangenen Jahrhunderts zu verdanken.

Es waren die Sachsen, die den Mut zu den Montagsdemos aufgebracht haben, der Anfang vom Ende der DDR.

Die Sachsen & PEGIDA

Jetzt sind es wieder die Sachsen, die unter dem Akronym PEGIDA auf die Straße gehen. Einer umfassenden Kritik des Phänomens PEGIDA und seiner Teilnehmer hat Roland Tichy in seinem Blog unterzogen, auf den hier verwiesen sei.

Es ist in jeder Hinsicht logisch, dass die größten Proteste dieser Art in Dresden ihren Ausgang finden.

Die Menschen im vermeintlichen Tal der Ahnungslosen haben über Jahrzehnte sehr feine Fühler dafür entwickelt, wer sie belügt. Nicht zuletzt findet sich in Sachsen eine noch einigermaßen homogene Bevölkerung, die Gesellschaft ist noch nicht komplett fragmentiert.

PEGIDAWo in den Großstädten der alten Bundesländer sind solche Demonstrationen noch denkbar?
Etwa in Köln? Mit 120.000 Muslimen, 45 Moscheen, darunter die größte Deutschlands. Etwa in Berlin mit seinen 250.000 Muslimen? Oder in Hamburg, unter 120.000 Muslimen, die bei den jüngsten Zusammenstößen bewiesen haben, wie schnell sie zum Dönermesser greifen.

Dass in Sachsen der Anteil der Muslime gering ist, wird den Demonstranten sogleich zum Vorwurf gemacht. Das heißt im Umkehrschluss, dass man gar nicht gegen etwas demonstrieren darf, was einen (noch) nicht betrifft. Da wird natürlich jede Anti-Kriegsdemo fragwürdig.

Was die Sachsen mit uns Restdeutschen eint: Seit mittlerweile anderthalb Jahrzehnten dürfen wir allabendlich die Segnungen des Islam auf dem Bildschirm sehen. Von 9/11 über die vielen Anschläge in allen Erdteilen mit tausenden Opfern bis zu den täglichen Enthauptungsvideos aus Syrien. Und immer öfter in der Nachbarschaft, denn die Täter beim wöchentlichen Einzelfalltotschlag verbindet immer eines, ihre Konfession.

Verrohung von Politik & Medien

So breit wie heute war der Graben zwischen Medien & Politik auf der einen und dem Volk auf der anderen Seite wahrscheinlich nie in der Geschichte der Bundesrepublik. Das Volk spaltet sich ab.
Medien & Politik reagieren reflexartig auf die Demonstrationen. Neben den üblichen Beschimpfungen, Diffamierungen und Beleidigungen wird von Seiten der Politik auch gleich der Verfassungsschutz ins Spiel gebracht. Nur könne der leider noch nicht tätig werden. Aber die Drohung steht schon mal im Raum und bestimmt wird sich was finden.

In der Gesamtschau ist hier eine neue Stufe der Verrohung der Politik zu beobachten.

Die Väter des Grundgesetzes haben das Recht zum Widerstand in den Artikel 20 des Grundgesetzes verankert, weil sie erlebt haben, wohin eine totale Verrohung der Politik führt. In der DDR sind die Menschen aufgestanden, weil sie die Verrohung ihrer roten Diktatoren nicht länger ertragen konnten.

PEGIDA mag ein kurzzeitiges Phänomen sein, das schnell fertiggemacht werden kann, weil eine charismatische Führungsfigur fehlt. Aber der aktuell noch leise Aufstand im Volk wird nicht mehr totzukriegen sein, wenn nicht in dieser Form, dann in einer anderen. Was sich seit Jahren im Kollegenkreis, in Verwandtschaft und Bekanntschaft, in Internetforen aufgestaut hat, treibt die ansonsten schafsgeduldigen Deutschen auf die Straße.

Und vorneweg: Die Sachsen! Sie haben den einen Unrechtsstaat weggewischt, sie haben das Potenzial, jetzt auch den Unrechtspolitiker empfindlich in die Parade zu fahren.

Die zögerlichen  Restdeutschen können froh sein, den mutigen Stamm der Sachsen zu den Seinen zählen zu können.