Belustigung fürs Stimmvieh

Die wachsende Zahl von Plakaten am Wegesrand verkünden es, bald ist wieder die staatsbürgerliche Pflicht des Wählens zu erfüllen. 2009 wollten nicht mal mehr dreiviertel aller Berechtigten am Spektakel teilnehmen. Ob es diesmal mehr werden, ist fraglich. Möglicherweise sehen einige Wähler in der neu angetretenen Formation AFD eine Alternative zu den etablierten Parteien.

Umso interessanter und unterhaltsamer sind die bereits geklebten Plakate. Nicht frei von Situationskomik, aber immerhin ehrlich sind die Plakate von den „Piraten“. Die Partei der Wohlstandskinder hat offenbar viel zu verteilen. Wie dieses Plakat verrät.

2013-08-12 15.20.27Nun sollte man nicht vom Gesicht eines Menschen auf dessen Lebensumstände schließen. Die Mimik in diesem Gesicht lässt aber darauf schließen, dass diesem Herrn ein Grundeinkommen ohne Gegenleistung gerade recht käme.

Dann die betont selbstbewusste junge Frau mit dem besorgten Gesichtsausdruck. Vor den Bauch2013-08-16 14.07.28 hält sie sich ein Notebook. Dies soll wohl eine Anspielung auf die gesellschaftliche Debatte der 80er-Jahre Debatte sein und greift den für den Fortbestand der Nation so schicksalhaften Abtreibungsparagrafen 218a StGB auf.

Sehr wahrscheinlich, dass diese Hedonisten-Vereinigung von den damaligen Vorgängen und den langfristigen Folgen für deren Wohlstand keinen blassen Schimmer hat.

2013-08-16 14.07.32Es lohnt aber auch, das Plakat genauer zu betrachten. Auf dem Notebook mit ihren ach so wichtigen Daten sind einige Aufkleber angebracht.

U.a. findet sich dort der dem Niveau der Parteimitglieder entsprechende Sprüche wie Sexistische Kackscheisse, Nazis wegflauschen und natürlich Atomkraft – nein Danke. Den Saft für ihren Rechner mitsamt ihrer Daten soll bitte schön politisch korrekt aus regenerativen Energien gewonnen werden. Tja, mehr braucht es heutzutage nicht mehr, um sich zum Zeitgeist zu bekennen…

Favorit ist aber jener Herr, der im Wahlkreis 20130812_132709Böblingen/Baden-Württemberg um Erststimmen buhlt. Dass es ein Sozialdemokrat ist, wird erst bei genauem Hinsehen klar. Mit seiner Partei will er nicht einmal mehr farblich etwas zu tun haben.

Schon bevor die überwiegend peinlichen Wahlwerbespots gesendet werden ist klar: Keine einzige Partei geht noch in die Tiefe, niemand geht noch die existenzielle demographische Frage an. Wie die lustige Bande, die auf dem Ozean munter Teile ihres Floßes absägen, um am helllichten Tag ein Feuer zu betreiben. Dazu geworfen wurden auch Zukunftstechnologien wie Gentechnik und die Stammzellenforschung.

Eine Schicksalswahl ist dies ohnehin nicht mehr. Das Schicksal der Bundesrepublik haben seine gewählten Repräsentanten in der vergangenen Wahlperiode seinen Schuldnern überreicht. Die werden es ohne Zögern zu ihren eigenen Gunsten wenden. Es ist völlig klar, dass auf die deutschen Steuerzahler Forderungen zukommen, die ihnen ihren hart erarbeiteten Wohlstand nehmen werden.

Bei Lichte betrachtet ist das aber kein echter Verlust. In dieser im Wohlstand vergreisten Gesellschaft –und das gilt für ganz Europa- wird dann einiges zurechtgerückt.