Wie Macht korrumpiert

Weihnachten. Christbaumkugeln, Glühwein, pompöse Fernsehshows, Besinnliches. Da darf die alljährliche Weihnachtsansprache unseres Bundespräsidenten nicht fehlen.

Eigentlich sollte man seine Zeit damit nicht verschwenden, aber dann lief ein Trailer zur Ansprache, der dann doch Neugierig gemacht hat. Sagt da doch unser aller Bundespräsident, dass es immer wieder zu Gewalt in U-Bahnhöfen kommt..auch weil die Opfer schwarze Haare oder dunkle Hautfarbe hätten.

Da war wohl was nicht richtig zu hören, deshalb lieber nochmal in der Mediathek nochmal nachzuhören. Tatsächlich, das hat der BP gesagt. Ohne mit der Wimper zu zucken. Zwar versteckt er sich etwas hinter einer Kerze und liest offensichtlich vom Teleprompter ab. Es ist aber davon auszugehen, dass Gauck sich die Rede selbst geschrieben hat.

Man lauscht den Worten seines Staatoberhauptes ungläubig und fragt sich dann, wie weit sich die Kaste der Politiker vom Volk und den Realitäten dieses Landes schon entfernt hat. Sehr weit, offensichtlich. Anders ist nicht zu erklären, dass es dem Präsident mit seinem hochkarätigen Beraterstab entgangen ist, dass er hier Täter und Opfer verwechselt.

Da ist es fast schon egal, dass Gauck zudem den Friedensnobelpreis für die EU lobt, für die Solidarität mit Asylsuchenden wirbt und von einem sicherlich perfekt choreographierten Besuch in Afghanistan erzählt, bei dem er die Realität so wenig gesehen hat, wie die Masse der eingesetzten Soldaten, die während ihres monatelangen Einsatzes ihr Feldlager nicht verlassen.

Der Bundespräsident ist qua Amt nicht Sklave des Zeitgeistes. Im Gegenteil, dieses Amt ist installiert, um der kurzatmigen Demokratie eine gewisse Konstanz zu geben. Deshalb amtiert der Bundespräsident im Regelfall 5 Jahre, während das Parlament für 4 Jahre gewählt ist.

Bundespräsident Gauck hat mit seiner Weihnachtsansprache bewiesen, wie schnell und gründlich Macht korrumpiert.